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Buchtipp – Osho: Liebe, Freiheit, Alleinsein

am
10. Juni 2018

Osho ist ein indischer Philosoph und Denker der mit seinen Theorien und Lehren auch viele Jahre nach seinem Tod für Kontroversen sorgt. Seine Bücher sind Transkripte von Audio- und Videoaufnahmen seiner Vorträge.

 

Osho: Liebe, Freiheit, Alleinsein

In vier Abschnitten erläutert Osho sein Verständnis von Liebe, Freiheit, Beziehungen und was Meditation mit all dem zu Tun hat. Oshos Gedanken sind fesselnd und lassen dich in jedem Fall nachdenklich zurück. Wer bist du? Was zeichnet dich aus? Liebst du wirklich, oder erfüllst du Erwartungen? Bist du in deiner Beziehung glücklich? Wirklich? Kann Liebe auf eine Person begrenzt sein? Was hat unser Stolz und unser Ego mit Liebe zu tun? Warum hat man manchmal das Gefühl, dass Beziehungen ein Konstrukt sind, aus welchem man manchmal einfach nur ausbrechen möchte? Kannst du mit dir alleine sein? Was bedeutet es eigentlich allein zu sein?

Osho stellt so ziemlich jede Konvention in Frage, nach denen wir leben. Priester, Nonnen und Mönche werden genauso zur Disposition gestellt, wie auch die Heirat, die Familie und selbst die Beziehung zu den eigenen Kindern.

Wenn wir so leben würden wie Osho es beschreibt, würde es unser ganzes Leben ändern. Heutige Gesellschaftsformen, Rituale und auch Lebensstrukturen würden aufbrechen und einer neuer Form des Zusammenlebens weichen. Der Wandel wäre ähnlich radikal wie es bei der Umsetzung der Gedanken von Thomas Morus und seiner Utopia oder auch Karl Marx Ansichten über den Kommunismus gewesen wäre.

 

Warum empfehle ich Osho – Liebe, Freiheit, Alleinsein?

Liebe Freiheit Alleinsein von Osho

Mit der Radikalität, mit der Osho über die Liebe, das Leben, Beziehungen und unsere (Un-)Freiheit schreibt, beeindruckt mich. Vieles ist kontrovers und schonungslos formuliert. Doch wenn man sich auf seine Argumente einlässt, sie sacken lässt und ernsthaft über sie nachdenkt, fängt man an, das eigene Leben zu hinterfragen. Leben wir heute so, wie wir es wollen, oder leben wir so, wie es uns von klein auf eingetrichtert wurde?

Ein Beispiel: Osho beschreibt Beziehungen oftmals als eine Art Gefängnis. Beide Partner leben zwar freiwillig zusammen, schränken sich aber immer mehr ein, so dass beide nicht mehr vollkommen frei sind. Osho geht sogar so weit, dass er die Erfindung des Ehebetts als eines der größten Verbrechen überhaupt ansieht. Er begründet dies ganz einfach damit, dass wir nicht einmal mehr im Schlaf Alleinsein können. Wir haben komplett verlernt allein zu sein. Unsere Leben richten wir nach unseren Partnern, unserer Familie, unseren Freunden, den Nachbarn aus, ohne dabei auf unsere eigene innere Stimme zu hören. Im Prinzip haben wir verlernt diese innere Stimme überhaupt wahrzunehmen, weil wir es verlernt haben allein (mit uns selbst) zu sein.

Osho verdammt Beziehungen nicht automatisch, allerdings sagt er, dass nur die wenigsten Beziehungen wirklich „freie“ Beziehungen sind. Als ich das gelesen habe, habe ich innerlich zunächst widersprochen, musste nach einiger Zeit des Nachdenkens jedoch feststellen, dass die Aussage gar nicht so abwegig ist. Auf wie viele eigene Wünsche oder Träume verzichten wir, um es unseren Partnerinnen und Partnern recht zu machen? Welche Erwartungen haben wir an unsere Partner und wie schränkt das unsere Partner ein? Ist Eifersucht nicht schon eine extreme Art, die Freiheit des anderen zu beschränken? Warum betrügen so viele Menschen ihre Partner? Wie kann es ein Betrug sein, wenn man doch frei ist? Warum sind so viele Menschen unglücklich in ihren Beziehungen?

Auch ich befinde mich in einer Beziehung und finde sie großartig. Nach der Osho-Lektüre habe ich mich aber schon gefragt, wie frei ich und auch meine Partnerin tatsächlich sind. Haben wir den Mut, eigene Träume zu leben und schaffen wir es uns gegenseitig auch den dafür nötigen Freiraum zu geben? Wie wirkt sich die Arbeit, die Familie und die eigene Lebensplanung auf die Beziehung aus? All diese und noch viel mehr Fragen habe ich mir nach der Lektüre gestellt und werde sie mir vermutlich noch sehr lange stellen.

In jedem Fall nehme ich die Beziehung nicht als gegeben an. Eine Beziehung zu einem anderen Menschen ist genauso harte Arbeit, wie die Beziehung zum eigenen Ich. Wir müssen uns konsequent und immer und immer fragen, ob wir nach wie vor glücklich sind: mit der Art wie wir leben, mit dem was wir tun, mit wem wir unsere Zeit verbringen. Nur wer Fragen hat, wird auch nach Antworten und nach Lösungen suchen. Das ist auch nicht schnell mal eben am Wochenende gemacht, sondern ist eine Lebensaufgabe.

Liebe, Freiheit, Alleinsein ist kein Roman. Man liest keine 30 Seiten, klappt das Buch zu und denkt nicht weiter drüber nach. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und Hinterfragen einlädt oder vielmehr dazu aufruft. Auch wenn du am Ende zum Fazit kommst, dass du nicht mit Osho übereinstimmst, ist die Lektüre trotz allem empfehlenswert. Vielleicht auch nur, weil Osho so direkt, so radikal unsere Art zu Leben in Frage stellt und dabei so ziemlich jede Konvention in Frage stellt, nach der wir bewusst und unbewusst leben.

 

Wer sollte es lesen?

Bei diesem Buch fällt es mir schwer, einen bestimmten Lesekreis festzulegen. Ich versuche es einfach mal.

Aufgrund der Thematik des Buches, ist es für jeden empfehlenswert. Jeder von uns, ob wir wollen oder nicht, kommt mit Fragen rund um Beziehung, Liebe, Einsamkeit und Sexualität in Berührung. Eigentlich dreht sich unser gesamtes Leben um diese Themen. Wer sind wir ohne Liebe? Was ist die Liebe? Mit wem gehe ich warum eine Beziehung ein und wann ist eine Beziehung glücklich? Was bedeutet Freiheit vor dem Hintergrund einer Beziehung?

In erster Linie empfehle ich das Buch also all denen, die ein wirkliches Interesse haben, ihre bisherigen Annahmen und Meinungen selbstkritisch zu hinterfragen und offen sind für fundamental andere Glaubens- bzw. Gedankenmuster. Ich empfehle es allen, die neugierig sind und an sich (ja vor allem an sich selbst) arbeiten möchten.

Grundsätzlich empfehle ich es aber allen, da das kritische Hinterfragen des eigenen Ichs niemals schaden kann.

 

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Jonas
Deutschland

Hey, ich bin Jonas, Anfang 30 und folge zur Zeit meinem Hunger nach mehr. Mir ist es wichtig, nicht einfach nur zu existieren, sondern mich lebendig zu fühlen. Was ich dafür tue, was mich inspiriert und mir weiterhilft, dokumentiere ich hier auf meinem Blog. Ich schreibe unter anderem über Ernährung und eigenen Gemüseanbau und (m)einen sportlichen Lifestyle.